GOÄ-Abrechnung Beispiel: So sieht eine korrekte Privatrechnung aus
GOÄ-Abrechnung Beispiel: Kommentierte Musterrechnung mit allen Pflichtangaben, drei vollständigen Fallbeispielen und den häufigsten Fehlern.
Eine korrekte Privatrechnung nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) ist die Grundlage für einen reibungslosen Zahlungseingang — und schützt vor Rückfragen der privaten Krankenversicherung. Doch wie sieht eine vollständige GOÄ-Rechnung konkret aus? Dieser Beitrag zeigt eine kommentierte Musterrechnung, drei vollständige Fallbeispiele aus dem Praxisalltag und die häufigsten Fehler, die zu ungültigen Rechnungen führen.
Hinweis: Alle Beträge basieren auf dem aktuellen Punktwert von 5,82873 Cent. Stand 2026 — Änderungen vorbehalten.
Pflichtangaben auf einer GOÄ-Rechnung
Damit eine privatärztliche Rechnung wirksam ist, schreibt die GOÄ in § 12 GOÄ eine Reihe von Pflichtangaben vor. Fehlt eine davon, ist die Forderung nicht fällig — der Patient (bzw. seine Versicherung) darf die Zahlung bis zur Korrektur zurückhalten.
Eine GOÄ-konforme Rechnung muss folgende Angaben enthalten:
- Name und Anschrift des behandelnden Arztes und des Patienten
- Datum der Leistungserbringung — für jede einzelne Leistung
- GOÄ-Ziffer mit der offiziellen Leistungsbeschreibung
- Steigerungssatz (Faktor) je Leistung
- Begründung bei Überschreitung des Regelhöchstsatzes
- Einzelbeträge und Gesamtsumme
- Diagnose (ICD-10-Code empfohlen)
- Zahlungsfrist und Bankverbindung — üblich sind 14 Tage
Was passiert bei fehlenden Angaben? Eine formell fehlerhafte Rechnung ist nach § 12 GOÄ nicht fällig. Die private Krankenversicherung kann die Erstattung verweigern, bis eine korrigierte Rechnung vorliegt — das verzögert den Zahlungseingang um Wochen.
GOÄ-Abrechnung Beispiel — kommentierte Musterrechnung
Die folgende Musterrechnung zeigt eine vollständige Privatrechnung. Jedes Element ist nummeriert und darunter erklärt:
| # | Element | Inhalt im Beispiel |
|---|---|---|
| 1 | Arztdaten | Dr. med. Anna Beispiel, Musterstraße 1, 10115 Berlin |
| 2 | Patientendaten | Herr Max Mustermann, geb. 12.04.1968, Beispielweg 5, 10117 Berlin |
| 3 | Rechnungs- / Behandlungsdatum | Rechnung vom 18.03.2026, Behandlung am 15.03.2026 |
| 4 | Diagnose | Essentielle Hypertonie (ICD-10: I10.90) |
| 5 | GOÄ-Ziffern + Leistungsbeschreibung | siehe Leistungszeilen unten |
| 6 | Steigerungssatz je Leistung | z.B. 2,3-fach für Beratung |
| 7 | Einzelbeträge und Gesamtsumme | Summe aller Leistungen |
| 8 | Zahlungsfrist und Bankverbindung | zahlbar innerhalb von 14 Tagen |
Die Leistungszeilen (5–7) bilden den Kern jeder GOÄ-Rechnung. Sie folgen immer demselben Muster: Datum, Ziffer, Leistungsbeschreibung, Faktor und Betrag:
| Datum | Ziffer | Leistung | Faktor | Betrag |
|---|---|---|---|---|
| 15.03.2026 | 1 | Beratung | 2,3 | 10,73 € |
| 15.03.2026 | 5 | Symptombezogene Untersuchung | 2,3 | 10,73 € |
| 15.03.2026 | 250 | Blutentnahme (technische Leistung) | 1,8 | 4,20 € |
| 15.03.2026 | 3550 | Blutbild (Laborleistung) | 1,15 | 3,50 € |
| Gesamtbetrag | 29,16 € | |||
Beachten Sie die drei unterschiedlichen Steigerungssätze: 2,3-fach für persönliche ärztliche Leistungen (Beratung, Untersuchung), 1,8-fach für die technische Leistung (Blutentnahme) und 1,15-fach für die Laborleistung. Mehr dazu im Beitrag zum Steigerungsfaktor.
Beispiel 1 — Allgemeinmedizinische Konsultation
Ein Privatpatient stellt sich mit Bluthochdruck zur eingehenden Beratung und vollständigen Untersuchung des Herz-Kreislauf-Systems vor; zusätzlich wird ein Blutbild veranlasst.
| Ziffer | Leistung | Faktor | Betrag |
|---|---|---|---|
| 3 | Eingehende Beratung (> 10 Min.) | 2,3 | 20,11 € |
| 7 | Untersuchung eines Organsystems (Herz-Kreislauf) | 2,3 | 21,45 € |
| 3550 | Blutbild (Laborleistung) | 1,15 | 3,50 € |
| Gesamtbetrag | 45,06 € | ||
Hinweis: Ziffer 1 (einfache Beratung) und Ziffer 3 (eingehende Beratung) dürfen nicht am selben Tag nebeneinander abgerechnet werden. Für die eingehende Beratung sollte die Gesprächsdauer dokumentiert sein.
Beispiel 2 — Kardiologische Untersuchung mit EKG
Ein Patient kommt zur kardiologischen Abklärung. Erbracht werden Beratung, eine Untersuchung des Herz-Kreislauf-Systems sowie Ruhe- und Belastungs-EKG.
| Ziffer | Leistung | Faktor | Betrag |
|---|---|---|---|
| 1 | Beratung | 2,3 | 10,73 € |
| 7 | Untersuchung eines Organsystems (Herz-Kreislauf) | 2,3 | 21,45 € |
| 650 | Ruhe-EKG (technische Leistung) | 1,8 | 26,54 € |
| 651 | Belastungs-EKG / Ergometrie (technische Leistung) | 1,8 | 52,46 € |
| Gesamtbetrag | 111,18 € | ||
Wichtig: EKG-Ziffern sind technische Leistungen mit einem Regelhöchstsatz von 1,8-fach (nicht 2,3-fach). Mehr dazu im Beitrag zur EKG-Abrechnung.
Beispiel 3 — Chirurgische Wundversorgung
Ein Patient stellt sich mit einer kleinen Schnittwunde vor. Die Wunde wird unter Lokalanästhesie mit Umschneidung und Naht versorgt; Materialkosten werden nach § 10 GOÄ berechnet.
| Ziffer | Leistung | Faktor | Betrag |
|---|---|---|---|
| 1 | Beratung | 2,3 | 10,73 € |
| 5 | Symptombezogene Untersuchung | 2,3 | 10,73 € |
| 490 | Infiltrationsanästhesie (klein) | 2,3 | 8,19 € |
| 2002 | Kleine Wunde mit Umschneidung und Naht | 2,3 | 21,46 € |
| § 10 | Materialkosten (Nahtmaterial, Verbrauch) | — | 8,50 € |
| Gesamtbetrag | 59,61 € | ||
Eine ausführliche Übersicht aller Wundversorgungsziffern finden Sie im Beitrag zur Wundversorgung.
Häufige Fehler bei GOÄ-Rechnungen
- Fehlende Diagnose — Ohne Diagnose ist die medizinische Notwendigkeit der Leistungen nicht nachvollziehbar; die Versicherung fragt nach.
- Steigerung ohne Begründung — Wird der Regelhöchstsatz (2,3-fach bei persönlichen, 1,8-fach bei technischen, 1,15-fach bei Laborleistungen) überschritten, ist eine individuelle, auf den Einzelfall bezogene Begründung Pflicht.
- Falsche oder unvollständige Leistungsbeschreibung — Die Beschreibung muss der offiziellen GOÄ-Leistungslegende entsprechen.
- Behandlungsdatum fehlt — Jede Leistung braucht ein konkretes Datum der Erbringung.
- Zahlungsfrist nicht angegeben — Ohne klare Frist verzögert sich das Mahnwesen.
- Ausschlussziffern kombiniert — Manche Ziffern dürfen nicht am selben Tag nebeneinander stehen (z.B. Ziffer 1 und 3).
Rechnungen automatisch GOÄ-konform erstellen
Wer Rechnungen manuell schreibt, muss Pflichtangaben, Steigerungssätze und Ausschlussregeln bei jeder Position selbst prüfen. GOÄ-Direkt erstellt die Rechnung automatisch aus den importierten oder eingegebenen Leistungen — mit korrekten Faktoren, allen Pflichtangaben und integriertem Mahnwesen. So entstehen formell korrekte Privatrechnungen ohne manuelle Prüfung.
Tipp: GOÄ-Direkt kennenlernen — korrekte Privatrechnungen automatisch, zur planbaren Flatrate ab 99 €/Monat.
FAQ — Häufige Fragen zum GOÄ-Abrechnung Beispiel
Wie muss eine GOÄ-Rechnung aussehen?
Eine GOÄ-Rechnung muss nach § 12 GOÄ Arzt- und Patientendaten, das Behandlungsdatum je Leistung, die GOÄ-Ziffer mit Leistungsbeschreibung, den Steigerungssatz, Einzel- und Gesamtbeträge, die Diagnose sowie Zahlungsfrist und Bankverbindung enthalten.
Was passiert, wenn Pflichtangaben fehlen?
Eine Rechnung mit fehlenden Pflichtangaben ist nicht fällig. Der Patient bzw. die private Krankenversicherung darf die Zahlung zurückhalten, bis eine korrigierte, vollständige Rechnung vorliegt.
Muss die Diagnose auf der Rechnung stehen?
Ja. Die GOÄ verlangt die Angabe der Diagnose, damit die medizinische Notwendigkeit der abgerechneten Leistungen nachvollziehbar ist. Die Angabe des ICD-10-Codes ist empfehlenswert.
Weiterführend: Die Grundlagen der Abrechnung erklärt der GOÄ-Abrechnung Leitfaden. Eine vollständige Ziffernübersicht finden Sie unter GOÄ-Ziffern: Die komplette Liste, Details zum Faktor unter GOÄ Steigerungsfaktor & Begründung.
Über den Autor
Redaktion GOÄ-Direkt
Fachredaktion für privatärztliche Abrechnung bei GOÄ-Direkt. Wir unterstützen niedergelassene Ärztinnen und Ärzte mit praxisnahem Wissen rund um die GOÄ.