EKG nach GOÄ: Ruhe-, Langzeit- & Belastungs-EKG
EKG-Leistungen richtig abrechnen: Die GOÄ-Ziffern für Ruhe-EKG, Langzeit-EKG und Belastungs-EKG.
Das EKG gehört zu den am häufigsten durchgeführten diagnostischen Verfahren in der kardiologischen und internistischen Praxis. Ob Ruhe-EKG, Langzeit-EKG oder Belastungs-EKG — jede Variante hat in der GOÄ eigene Abrechnungsziffern mit unterschiedlichen Bewertungen. Wer die GOÄ-EKG-Ziffern korrekt anwendet, sichert nicht nur den Praxisumsatz, sondern vermeidet auch Rückfragen von Kostenträgern. In diesem Beitrag erfahren Sie, welche GOÄ-Ziffern für die einzelnen EKG-Typen gelten, wie Sie Steigerungsfaktoren richtig einsetzen und welche Fehler Sie vermeiden sollten.
Ruhe-EKG nach GOÄ abrechnen
Das Ruhe-EKG ist die Basisdiagnostik in der Kardiologie und Inneren Medizin. Es dient der Erkennung von Herzrhythmusstörungen, Ischämiezeichen und Erregungsleitungsstörungen. In der GOÄ wird das Ruhe-EKG über die GOÄ-Ziffer 651 abgerechnet.
GOÄ 651 — Elektrokardiographische Untersuchung (Ruhe-EKG)
Die GOÄ-Ziffer 651 umfasst die Aufzeichnung und Auswertung eines Ruhe-EKGs mit mindestens zwölf Ableitungen. Die Leistungsbewertung liegt bei 253 Punkten, was einem Einfachsatz von 14,75 Euro entspricht. Beim Regelhöchstsatz (2,3-fach) beträgt das Honorar 33,92 Euro.
Das Ruhe-EKG nach GOÄ darf grundsätzlich neben Beratungs- und Untersuchungsziffern abgerechnet werden. Beachten Sie jedoch: Die Auswertung ist in der Ziffer 651 bereits enthalten. Eine separate Abrechnung der Auswertung als eigenständige Leistung ist beim Ruhe-EKG nicht zulässig.
Typische Abrechnungskombination
- GOÄ 1 — Beratung (bei erstmaligem Kontakt oder neuer Fragestellung)
- GOÄ 7 oder GOÄ 8 — Körperliche Untersuchung
- GOÄ 651 — Ruhe-EKG
- GOÄ 75 — Ausführlicher Befundbericht (sofern erstellt)
Langzeit-EKG nach GOÄ abrechnen
Das Langzeit-EKG (Holter-EKG) zeichnet die Herzaktivität über 24 Stunden oder länger auf und ist unverzichtbar für die Diagnostik intermittierender Herzrhythmusstörungen. Die GOÄ unterscheidet hier bewusst zwischen Aufzeichnung und Auswertung.
GOÄ 659 — Langzeit-EKG (Aufzeichnung)
Die Ziffer GOÄ 659 deckt die Anlage und Aufzeichnung des Langzeit-EKGs ab. Die Bewertung beträgt 253 Punkte (Einfachsatz: 14,75 Euro, 2,3-fach: 33,92 Euro). In dieser Ziffer ist die Aufzeichnung inklusive Anlage des Geräts und Patienteneinweisung enthalten.
GOÄ 659a — Langzeit-EKG (Auswertung)
Zusätzlich zur Aufzeichnung ist die computergestützte Auswertung des Langzeit-EKGs über die GOÄ-Ziffer 659a separat abrechenbar. Auch hier liegt die Bewertung bei 253 Punkten. Beim GOÄ-Langzeit-EKG können also beide Ziffern nebeneinander angesetzt werden — ein wichtiger Umsatzfaktor, den viele Praxen nicht ausschöpfen.
Praxistipp: Die Ziffern 659 und 659a dürfen am selben Tag oder an verschiedenen Tagen abgerechnet werden. Die Aufzeichnung erfolgt am Tag der Anlage, die Auswertung typischerweise am Folgetag nach Abnahme des Geräts. Dokumentieren Sie beide Leistungen sorgfältig mit Datum und Uhrzeit.
Häufiger Fehler beim Langzeit-EKG
Ein verbreiteter Abrechnungsfehler beim GOÄ-Langzeit-EKG ist das Vergessen der Auswertungsziffer 659a. Da die Auswertung eine eigenständige ärztliche Leistung darstellt, die erhebliche Zeit in Anspruch nimmt, sollte sie konsequent separat abgerechnet werden.
Belastungs-EKG (Ergometrie) nach GOÄ abrechnen
Das Belastungs-EKG ist die Standardmethode zur Diagnostik der belastungsabhängigen koronaren Herzkrankheit. Es erfordert ärztliche Anwesenheit während der gesamten Untersuchung und umfasst eine aufwendigere Leistung als das Ruhe-EKG.
GOÄ 652 — Belastungs-EKG (Ergometrie)
Die GOÄ-Ziffer 652 bewertet das Belastungs-EKG mit 379 Punkten (Einfachsatz: 22,09 Euro, 2,3-fach: 50,80 Euro). Im Leistungsinhalt sind die EKG-Registrierung unter stufenweise steigender Belastung, die fortlaufende ärztliche Überwachung und die Auswertung eingeschlossen.
Das GOÄ-Belastungs-EKG setzt voraus, dass der Arzt während der gesamten Untersuchung anwesend ist und die Belastungsstufen überwacht. Diese Anforderung unterscheidet die Ziffer 652 deutlich vom Ruhe-EKG und rechtfertigt die höhere Bewertung.
Steigerung beim Belastungs-EKG
Bei überdurchschnittlichem Schwierigkeitsgrad — etwa bei multimorbiden Patienten, adipösen Patienten mit erschwerter Ableitung oder Patienten mit bekannter KHK und erhöhtem Überwachungsbedarf — kann der GOÄ-Steigerungsfaktor über den 2,3-fachen Satz hinaus erhöht werden. Voraussetzung ist eine individuelle, patientenbezogene Begründung auf der Rechnung.
Abgrenzung zur Spiroergometrie
Die Spiroergometrie (kombinierte Belastungsuntersuchung mit Atemgasanalyse) wird nicht über die Ziffer 652 abgerechnet, sondern erfordert zusätzliche Ziffern. Verwechseln Sie diese Leistungen nicht — eine fehlerhafte Abrechnung führt häufig zu Beanstandungen.
Übersichtstabelle: EKG-Ziffern nach GOÄ im Vergleich
| GOÄ-Ziffer | Bezeichnung | Punkte | 1,0-fach | 2,3-fach | 3,5-fach |
|---|---|---|---|---|---|
| 651 | Ruhe-EKG (mind. 12 Ableitungen) | 253 | 14,75 € | 33,92 € | 51,62 € |
| 652 | Belastungs-EKG (Ergometrie) | 379 | 22,09 € | 50,80 € | 77,31 € |
| 659 | Langzeit-EKG (Aufzeichnung) | 253 | 14,75 € | 33,92 € | 51,62 € |
| 659a | Langzeit-EKG (Auswertung) | 253 | 14,75 € | 33,92 € | 51,62 € |
Zusätzliche Abrechnungsmöglichkeiten neben dem EKG
Das EKG nach GOÄ wird selten isoliert abgerechnet. In der Regel fallen weitere Leistungen an, die separat berechnungsfähig sind:
- GOÄ 1 (Beratung) — Wenn eine eigenständige Beratung stattfindet, z. B. bei Erstvorstellung oder neuem Befund
- GOÄ 3 (Eingehende Beratung) — Bei ausführlicher Besprechung der EKG-Ergebnisse (mindestens 10 Minuten Dauer)
- GOÄ 5 oder 7 (Untersuchung) — Körperliche Untersuchung vor oder nach dem EKG
- GOÄ 75 (Befundbericht) — Ausführlicher schriftlicher Befundbericht an den überweisenden Arzt
Wichtig: Beachten Sie die Ausschlussziffern. Nicht alle Beratungs- und Untersuchungsziffern dürfen in jeder Konstellation nebeneinander abgerechnet werden. Prüfen Sie vor jeder Abrechnung, ob Ausschlussbedingungen vorliegen.
Häufige Fehler bei der EKG-Abrechnung nach GOÄ
In der Praxis treten bei der EKG-Abrechnung nach GOÄ immer wieder dieselben Fehler auf:
- Vergessene Auswertungsziffer beim Langzeit-EKG — Die Ziffer 659a wird nicht angesetzt, obwohl eine eigenständige Auswertung erfolgt ist.
- Steigerungsbegründung fehlt — Bei Faktoren über 2,3 wird keine oder eine zu pauschale Begründung angegeben. Formulierungen wie „erhöhter Aufwand" reichen nicht aus.
- Ruhe-EKG neben Belastungs-EKG — Die Ziffern 651 und 652 schließen sich nicht generell aus, aber ein Ruhe-EKG, das als Teil der Ergometrie angefertigt wird (z. B. Ausgangswert vor Belastung), ist in der Ziffer 652 bereits enthalten.
- Fehlende Dokumentation — Ohne ausreichende Dokumentation der Indikation und der Befunde ist eine Abrechnung angreifbar.
Praxistipps für Kardiologen und Internisten
Mit diesen Tipps optimieren Sie Ihre EKG-Abrechnung nach GOÄ:
- Dokumentieren Sie konsequent: Halten Sie für jedes EKG die Indikation, den Befund und die klinische Konsequenz fest. Das schützt vor Rückfragen und erleichtert die Steigerungsbegründung.
- Nutzen Sie den vollen Leistungsumfang: Beim Langzeit-EKG immer Aufzeichnung (659) und Auswertung (659a) separat abrechnen. Beim Belastungs-EKG eine eigenständige Beratung (GOÄ 3) ansetzen, wenn die Befundbesprechung mindestens 10 Minuten dauert.
- Prüfen Sie Ausschlussziffern vor der Abrechnung: Gerade bei Kombinationen aus Beratung, Untersuchung und EKG gibt es Einschränkungen, die Sie kennen sollten.
- Steigerung individuell begründen: Wenn ein erhöhter Faktor gerechtfertigt ist, formulieren Sie die Begründung patientenbezogen und konkret — nicht pauschal.
Fazit: EKG-Abrechnung nach GOÄ optimieren
Die korrekte Abrechnung von EKG-Leistungen nach GOÄ ist kein Hexenwerk — erfordert aber Kenntnis der verschiedenen Ziffern und ihrer Kombinationsmöglichkeiten. Ruhe-EKG (GOÄ 651), Langzeit-EKG (GOÄ 659 + 659a) und Belastungs-EKG (GOÄ 652) haben jeweils eigene Bewertungen und Regeln. Achten Sie auf vollständige Dokumentation, korrekte Steigerungsbegründungen und die Nutzung aller zulässigen Abrechnungspositionen.
GOÄ-Direkt unterstützt Sie bei der korrekten EKG-Abrechnung: Die Software prüft automatisch Ausschlussziffern mit dem Ausschlussziffern-Checker, erinnert an zusätzliche Abrechnungsmöglichkeiten und hilft Ihnen, Steigerungsbegründungen korrekt zu formulieren. Schlagen Sie EKG-Ziffern in unserer GOÄ-Ziffernliste nach oder stellen Sie Ihre Abrechnungsfragen direkt an ChatGOÄ, unseren KI-Assistenten für GOÄ-Fragen.
Über den Autor
GOÄ-Direkt Team
Fachredaktion für privatärztliche Abrechnung bei GOÄ-Direkt. Wir unterstützen niedergelassene Ärztinnen und Ärzte mit praxisnahem Wissen rund um die GOÄ.