PVS-Abrechnung: Kosten, Alternativen & digitale Lösungen im Vergleich
PVS-Abrechnung zu teuer? Vergleich: Privatärztliche Verrechnungsstelle vs. eigene Abrechnung vs. digitale Flatrate-Lösung — Kosten und Vor-/Nachteile.
Die Abrechnung privatärztlicher Leistungen kostet Zeit — oder Geld. Viele Praxen geben sie an eine privatärztliche Verrechnungsstelle (PVS) ab und zahlen dafür einen prozentualen Anteil ihres Honorars. Doch das ist nicht die einzige Option. Dieser Beitrag vergleicht die drei Wege der privatärztlichen Abrechnung — PVS, Eigenabrechnung und digitale Flatrate-Plattform — ehrlich nach Kosten, Aufwand und Kontrolle.
Was ist eine PVS (Privatärztliche Verrechnungsstelle)?
Eine privatärztliche Verrechnungsstelle übernimmt die komplette Abrechnung privatärztlicher Leistungen für die Praxis: Sie erstellt die Rechnungen nach GOÄ, versendet sie an die Patienten, übernimmt das Mahnwesen und wickelt den Zahlungsverkehr ab. In Deutschland sind mehrere regionale PVS aktiv, viele davon im Verband der Privatärztlichen Verrechnungsstellen organisiert.
Das Factoring-Modell
Der wesentliche Vorteil vieler PVS ist das Factoring: Die PVS kauft der Praxis die Honorarforderung ab und zahlt den Rechnungsbetrag vorfinanziert aus — oft innerhalb weniger Tage. Das Ausfallrisiko und das Mahnwesen gehen damit auf die PVS über. Die Praxis erhält schnell Liquidität, gibt dafür aber einen Teil des Honorars als Gebühr ab und überlässt der PVS den direkten Kontakt zum Patienten.
Was kostet eine PVS-Abrechnung?
PVS rechnen in der Regel prozentual vom Rechnungsbetrag ab. Üblich sind 2 bis 5 % des abgerechneten Umsatzes — abhängig von Leistungsumfang, Factoring-Modell und Ausfallrisiko-Übernahme.
| Privatumsatz / Jahr | PVS-Gebühr 2 % | PVS-Gebühr 3 % | PVS-Gebühr 5 % |
|---|---|---|---|
| 100.000 € | 2.000 € | 3.000 € | 5.000 € |
| 150.000 € | 3.000 € | 4.500 € | 7.500 € |
| 200.000 € | 4.000 € | 6.000 € | 10.000 € |
Bei einem Privatumsatz von 200.000 € im Jahr summieren sich die PVS-Kosten also auf 4.000 bis 10.000 € pro Jahr. Hinzu können versteckte Kosten kommen: Einrichtungs- oder Anschlussgebühren, gesonderte Mahnpauschalen oder Aufschläge für das Factoring.
Alternativen zur PVS-Abrechnung
Option 1 — Eigene Abrechnung in der Praxis
Die Praxis erstellt und versendet die Rechnungen selbst, in der Regel über die Praxissoftware.
- Vorteile: Keine prozentualen Kosten, volle Kontrolle über Rechnungen und Patientenkontakt.
- Nachteile: Hoher Zeitaufwand für MFA, Fehlerrisiko bei Ziffern und Steigerungssätzen, Mahnwesen muss selbst organisiert werden, keine Vorfinanzierung.
- Geeignet für: Praxen mit geringem Privatanteil oder ausreichend personellen Ressourcen.
Option 2 — Digitale Abrechnungsplattform (Flatrate)
Eine digitale Plattform wie GOÄ-Direkt automatisiert die Abrechnung, ohne die Forderung zu übernehmen. Die Leistungen werden aus der Praxissoftware importiert (z.B. über PAD / PAD-NEXT) oder direkt eingegeben; die Plattform erstellt die GOÄ-konforme Rechnung, versendet sie und übernimmt auf Wunsch das Mahnwesen im Namen der Praxis.
- Kosten: Flatrate ab 99 €/Monat — unabhängig vom Umsatz, statt prozentualer Gebühr.
- Kontrolle: Die Praxis behält die Forderung und den Überblick über alle offenen Posten im Dashboard.
- Inklusive: automatische Rechnungserstellung, Mahnwesen und Patientenkommunikation.
Vergleichstabelle — PVS vs. Eigenabrechnung vs. GOÄ-Direkt
| Kriterium | PVS | Eigene Abrechnung | GOÄ-Direkt |
|---|---|---|---|
| Kosten | 2–5 % vom Umsatz | Personalkosten | Ab 99 €/Monat |
| Zeitaufwand Praxis | Gering | Hoch | Gering |
| Kontrolle | Wenig | Voll | Voll (Dashboard) |
| Mahnwesen | Inklusive | Selbst | Inklusive |
| Patientenkontakt | PVS | Praxis | Praxis / GOÄ-Direkt |
| Factoring (Vorfinanzierung) | Ja | Nein | Nein |
| Flexibilität | Langfristige Verträge | Frei | Monatlich kündbar |
| Digitale Schnittstelle | Begrenzt | Je nach Software | PAD / PAD-NEXT |
Wichtig zur Einordnung: GOÄ-Direkt ist keine PVS, sondern eine SaaS-Plattform. Der größte Unterschied: Eine PVS kauft die Forderung (Factoring) und arbeitet auf Provisionsbasis. GOÄ-Direkt automatisiert die Abrechnung zur Flatrate, während die Praxis Forderung und Kontrolle behält. Wer Wert auf Vorfinanzierung legt, ist mit einer PVS gut bedient; wer planbare Kosten und volle Kontrolle möchte, mit einer digitalen Plattform.
Rechenbeispiel — Wann lohnt sich der Wechsel?
Da die PVS prozentual und GOÄ-Direkt zur Flatrate abrechnet, hängt die Ersparnis vom Privatumsatz ab. Ein Beispiel bei einem Privatumsatz von 150.000 € pro Jahr und einer PVS-Gebühr von 3 %:
| Modell | Kosten pro Jahr |
|---|---|
| PVS (3 % von 150.000 €) | 4.500 € |
| GOÄ-Direkt (99 €/Monat) | 1.188 € |
| Ersparnis pro Jahr | 3.312 € |
Breakeven: Die Flatrate von 1.188 €/Jahr entspricht der PVS-Gebühr bei rund 40.000 € Privatumsatz (bei 3 %), bei 24.000 € (bei 5 %) bzw. 59.000 € (bei 2 %). Oberhalb dieser Schwelle ist die Flatrate günstiger als die prozentuale PVS-Gebühr — und der Vorteil wächst mit steigendem Umsatz, da die Flatrate konstant bleibt.
Häufige Bedenken beim PVS-Wechsel
„Verliere ich die Vorfinanzierung?"
Ja — eine digitale Plattform übernimmt die Forderung nicht und finanziert sie nicht vor. Im Gegenzug entfällt die prozentuale Gebühr, und die Praxis behält die volle Forderung. Wenn die kurzfristige Liquidität durch Factoring für Sie zentral ist, kann eine PVS die passendere Wahl bleiben.
„Ist der Umstieg aufwändig?"
Der Aufwand ist gering: Die Leistungen werden über die bestehende Praxissoftware (PAD / PAD-NEXT) importiert oder direkt eingegeben. Eine Datenmigration ganzer Patientenstämme ist nicht erforderlich, da die Abrechnung leistungsbezogen erfolgt.
„Was passiert mit laufenden Rechnungen?"
Bereits an die PVS übergebene Forderungen werden dort regulär zu Ende abgewickelt. Neue Leistungen rechnen Sie ab dem Wechselzeitpunkt über die neue Lösung ab — ein paralleler Übergang ist also problemlos möglich. Prüfen Sie die Kündigungsfristen Ihres bestehenden PVS-Vertrags.
FAQ — Häufige Fragen zur PVS-Abrechnung
Was kostet eine PVS-Abrechnung?
Typischerweise 2 bis 5 % des Rechnungsbetrags. Bei 200.000 € Privatumsatz sind das also rund 4.000 bis 10.000 € pro Jahr, je nach Gebührensatz und Leistungsumfang.
Gibt es günstigere Alternativen zur PVS?
Ja. Digitale Abrechnungsplattformen wie GOÄ-Direkt bieten eine Flatrate ab 99 €/Monat — unabhängig vom Umsatz. Ab einem mittleren Privatumsatz ist das deutlich günstiger als eine prozentuale PVS-Gebühr.
Was ist der Unterschied zwischen PVS und GOÄ-Direkt?
Eine PVS arbeitet auf Provisionsbasis und übernimmt die Forderung (Factoring) inklusive Vorfinanzierung. GOÄ-Direkt ist eine digitale Plattform mit Flatrate, bei der die Praxis die volle Kontrolle über Forderung und Patientenkontakt behält.
Lohnt sich der Wechsel von der PVS?
Finanziell lohnt sich der Wechsel oberhalb von rund 24.000 bis 59.000 € Privatumsatz pro Jahr (je nach PVS-Satz) — vorausgesetzt, die Vorfinanzierung durch Factoring ist für die Praxis nicht entscheidend.
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Über den Autor
Redaktion GOÄ-Direkt
Fachredaktion für privatärztliche Abrechnung bei GOÄ-Direkt. Wir unterstützen niedergelassene Ärztinnen und Ärzte mit praxisnahem Wissen rund um die GOÄ.